Was die Azoren mit Haiti zu tun haben …

Die Azoren sind nicht so weit außen vor, wie man aufgrund ihrer Lage glauben könnte. Manchmal sind sie sogar mitten drin, gerade durch ihre Lage im Atlantik.

Abgesehen davon, dass die Einwohner der Azoren sehr gut nachvollziehen können, was ein schweres Erdbeben anrichten kann und dass auch sie großzügig für Haiti spenden, haben die Inseln der Ostgruppe nun auch – was den Flugverkehr angeht – ein kleines Stück der alten Bedeutung als Drehkreuz im Atlantik zurückerhalten.

Der große Flughafen der aufgegebenen US-Militärbasis auf Santa Maria ist ideal als Tankstopp für Hilfsflüge nach Haiti. Wäre da nicht das Problem, dass es seit einer Woche keinen Flugzeug-Treibstoff mehr auf der Insel gab. Das Versorgungsschiff kommt nur 3-4x im Jahr, dies genügt normalerweise für die Versorgung der kleinen Inselhüpfer.

Der Tanker Stolt Kiiwake, der für Nachschub sorgen sollte, konnte aufgrund starker Winde und Wellen tagelang nicht auf Santa Maria anlegen, erst heute gelang es. Der Hafen ist (im Gegensatz zum Flughafen) klein, außerdem wenig geschützt und somit bei Sturm gefährlich.

Somit mussten ca. 30 Flugzeuge auf dem Weg in die Karibik stattdessen auf Sao Miguel zwischenlanden.

» Mehr zur Geschichte Santa Marias

Schiffshavarie vor São Miguel

400 Tonnen Treibstoff und sieben reinrassige lusitanische Pferde gehörten zur kritischen Fracht des Containerschiffs São Gabriel, das vor der Südküste der Azoreninsel São Miguel zwischen Água de Pau und Lagoa auf Grund gelaufen ist.

Der Treibstoff gilt als extrem umweltverschmutzend, kann aber momentan noch nicht abgepumpt werden. Die Wetterlage ist ebenfalls schwierig.

Es berichtet der Betreiber der Ferienhäuser Quinta Altamira in Caloura, welches bei Água de Pau liegt:

Das Schiff muß so gegen 5h00 auf Grund gelaufen sein. Unser Hund hatte uns (unabhängig davon, sondern wegen einer Katzenfamilie, die es sich bei uns auf der Terrasse gemütlich gemacht hatte) um ca. 5h00 aus den Schlaf gebellt, als nur einige Minuten später ein Tuten begann, das wir recht bald als Schiffssirene identifizierten.

Nach einiger Zeit stellten wir fest, daß die Sirene in regelmäßigen Abständen tutete, nämlich 7x oder 8x kurz und 1x lang. Im Internet fanden wir später heraus, daß dies
das Zeichen für „Generalalarm“ ist, so daß wir eine Schiffshavarie vermuteten, was sich ja dann auch als richtig herausstellte. Das Schiff liegt zwischen Água de Pau und Lagoa an einer völlig unwegsamen Stelle.

Oberhalb dieser Stelle gab es in den vergangenen Tagen „Katastrophentourismus“ mit dazu gehörigem Stau auf der Landstraße und platt getretenen bzw. gefahrenen Feldern, was die betroffenen Landwirte, wie heute morgen zu sehen war, dazu bewogen hat, ihre Felder abzusperren. Die in den Zeitungen bzw. im Internet gezeigten Bilder sind von dort aus aufgenommen.

Die Pferde (Lusitaner) sind inzwischen heil geborgen worden. Sorgen bereiten wohl noch die 300-400 Tonnen (je nach Zeitung) Treibstoff, da es zur Bergung keine Spezialausrüstung hier vor Ort gibt.

Das Schiff gehört zur Box Lines, einer deutschen Reederei, die für den Azorenverkehr innerhalb der Inseln und wohl auch nach Lisboa mehrere Schiffe unterhält. Das Schiff selber heißt S. Gabriel und ist in Leer (Ostfriesland) registriert.

Fotos und weitere Infos gibt es z.B. hier:
news.azoren-online.com

2006 gab es einen ähnlichen Fall vor der Insel Faial. Damals lag das Schiff CP Valour monatelang vor der Bucht Faja da Praia do Norte, konnte schließlich nach dem Entladen der Fracht auf das offene Meer hinausgezogen werden, wo es leider doch noch sank.